Professor  Stefan Asmus – Wissen, Gestaltung und Neue Kybernetik

Professor Dr. phil. Stefan Asmus war langjähriger Dekan und Institutsleiter an der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf. Zuvor war er Vertretungsprofessor für Systemdesign an der Kunsthochschule Kassel und langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Ästhetik und Kulturvermittlung bei Bazon Brock in Wuppertal. Promotion summa cum laude ebenda.

Mit seinen Arbeiten leistet er maßgebliche Beiträge an der Schnittstelle von Wissen, Gestaltung und digitaler Transformation. Am Fachbereich Design der Peter Behrens School of Arts etablierte er den zuvor entwickelten Bereich des Wissensdesigns, eine eigenständige Theorie und Praxis, die komplexes Wissen in mediale Formen übersetzt und dadurch zugänglich und gestaltbar macht. Auf diese Weise hat Asmus über mehr als drei Jahrzehnte einen Denk- und Erfahrungsraum geschaffen, der die strukturellen Bedingungen und die ästhetischen Dimensionen von Wissen zugleich reflektiert und zur Darstellung bringt.

Parallel dazu initiierte und prägte er das Gebiet des Civic Design, in dem gesellschaftliche Prozesse systematisch reflektiert und mittels Design als soziale und kulturelle Praxis aktiv begleitet werden. Civic Design versteht Asmus nicht als bloß technisch-planerische Lösung, sondern als Prozess des gestaltenden Eingreifens, der gesellschaftliche Systeme öffnet, sichtbar macht und deren qualitative Transformation ermöglicht. Gerade in der Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation zeit er, dass es bei Digitalisierung nicht primär um technologische Effizienz geht, sondern um kulturelle Neuordnung, um die Gestaltung offener Möglichkeitsräume und um die Sicherung von Tiefe, Resonanz und Qualität.

Das Herzstück seines theoretischen und gestalterischen Schaffens bildet die Entwicklung einer fortlaufenden systemtheoretischen Ästhetik. Dieses Werk, das sich rhizomatisch als digitale Reflexionseinheit entfaltet, macht sichtbar, dass Wissen nicht bloß als Inhalt vermittelt, sondern als System gestaltet werden muss. Asmus’ digitale Theorie-Skulptur verkörpert die Einsicht, dass komplexe Wissensbestände eine adäquate Form der Repräsentation erfordern, die nicht linear, sondern vernetzt und dynamisch angelegt ist. So entstand über viele Jahre ein singuläres, lebendiges Denk- und Werkgefüge, das klassisch-wissenschaftliche Grenzziehungen bewusst überschreitet, um für die Gestaltungspraxis fruchtbar zu werden.

Diese intensive Auseinander­setzung mündete schließlich in erste wesentliche Ansätze seiner Neuen Kybernetik. Sie ist weniger bloße Theorie als eine eigenständige Form des Weltzugangs, weniger technisches Regelwerk als poetisch reflektierte Haltung gegenüber dem Wirklichen. Systeme erscheinen hier als offen, resonant und selbstreflexiv, Gestaltung nicht als Kontrolle, sondern als Eröffnung von Möglichkeitsräumen. Im Zentrum steht nicht die Fixierung, sondern die dynamische Verschränkung von Differenz, Leere und Form. Gerade durch diesen Schritt, also durch die Überschreitung traditioneller wissenschaftlicher Horizonte, schafft Asmus Räume für eine Ästhetik, die zugleich poetisch und pragmatisch, tiefgründig und klar ist.

Sein Denken und Wirken ist dadurch geprägt, dass es unterschiedliche Felder nicht nebeneinander belässt, sondern systematisch aufeinander bezieht, nicht nur Theorie und Praxis, sondern auch Wissenschaft und gestalterische Intervention. Gerade in dieser Verschränkung liegt die besondere Wirksamkeit seiner Arbeit.

Asmus’ Arbeiten zeigen, dass Gestaltung nicht bloß technischer Vollzug ist, sondern eine wesentliche Artikulation unseres Weltbezugs. Sie sind ein Plädoyer für eine ganzheitliche Sicht auf digitale, gesellschaftliche und epistemische Prozesse und zugleicheine Einladung, die Welt nicht nur zu betrachten, sondern bewusst, poetisch und resonanzfähig mitzugestalten.

Weitere Informationen zu seinem Werk finden sich unter: