Ästhetisches System
Dieses Projekt untersucht ästhetische, qualitative und gestalterische Prozesse in ihrer Tiefenstruktur entlang einer rhizomatischen Denkbewegung.
Der funktionalen, technischen und algorithmischen Verengung der Gegenwart setzen wir Gestaltung als grundlegendes Prinzip der Welterschließung, der Sinnbildung und der Weltverbundenheit entgegen. Zugleich bestimmen wir Gestaltung neu als kulturelle, epistemische und existenzielle Praxis.
(Stefan Asmus, 2026)
Unsere primäre Erfahrung der Wirklichkeit – die Welt, wie sie uns zunächst erscheint – gründet in Substanzen. Wir sehen Dinge, Körper, fest verortete Entitäten. Doch je tiefer wir schauen, desto mehr entzieht sich diese Festigkeit. (vgl. Tiefenstrukturanalyse)
Die Quantenphysik hat uns gelehrt: Wirklichkeit ist kein Baukasten fester Teile, sondern ein Feld von Möglichkeiten. Ein Elektron ist zugleich Welle und Teilchen, bis der Akt der Beobachtung es zwingt, eine Form anzunehmen. Heisenbergs Unschärferelation zeigt, dass Gewissheit immer partiell ist – je genauer der Ort, desto unbestimmter die Bewegung, je klarer die Bewegung, desto diffuser der Ort.
Diese Einsicht erschüttert den Substanzglauben. Sie macht sichtbar, dass Wirklichkeit nicht im Ding, sondern in der Relation liegt. Nicht Masse, sondern Schwingung. Nicht Identität, sondern Differenz.
Genau hier setzt das systemische Denken an. Systemtheorie beschreibt die Welt nicht als Sammlung von Objekten, sondern als Gefüge von Unterscheidungen. Ein System hält sich nicht durch Substanz, sondern durch Operationen. Es existiert, indem es Unterschiede macht, Selektionen vornimmt, Resonanzen erzeugt. Wirklichkeit erscheint so als Selbstorganisation, als Prozess, der sich in der Differenz von Innen und Außen formt.
Resonanz ist dabei der Schlüssel. Sie verbindet System und Umwelt, Beobachter und Beobachtetes. Resonanz ist die Art, wie das eine im anderen hörbar wird, ohne sich aufzulösen. So wie das Quantenfeld keine stumme Leere ist, sondern voller Fluktuationen, voller Schwingungen, so ist auch die ästhetische Dimension keine bloße Oberfläche, sondern ein Medium, in dem Bedeutungen entstehen.
Die Konsequenzen dieser Einsichten sind weitreichend. Wenn Substanzen zerfließen und Relationen zum Grundmuster der Wirklichkeit werden, dann verändert sich auch unser Zugang zur Welt. Wahrnehmung – aisthesis– ist nicht bloßes Abbilden, sondern ein Prozess des Gestaltens. Jede Wahrnehmung ist Selektion, jede Entscheidung zugleich Ausschluss und Öffnung. Wahrheit lässt sich nicht fixieren, sie ereignet sich in Feldern der Resonanz. Darum steigt der Stellenwert der Ästhetik. Was lange als philosophische Randdissziplin verstanden wurde, erweist sich als Fundament unseres Weltzugangs und der Weltverbundenheit. Die ästhetische Dimension zeigt sich als Grundbedingung empirischer Wirklichkeitserfahrung. Sie beschreibt, wie Welt überhaupt sichtbar, erfahrbar, begreifbar wird – nicht als starres Gerüst, sondern als offenes Feld.
So wird die Welt erkennbar als rhythmisches Gewebe von Klang, Bewegung und Differenz, das wir nicht beherrschen, sondern in dem wir uns verorten. Ästhetik macht spürbar, dass jede Ordnung vorläufig bleibt, dass Unbekanntes immer mitgeführt wird. Sie fordert uns auf, im Ungewissen Verlässlichkeit zu erspüren, im Chaos Gestalt zu erkennen, Komplexität zu reduzieren, ohne Tiefe preiszugeben, Sinn hervorzubringen, wo Unbestimmtheit regiert und Unbestimmtheit zu bewahren, wo Sinnangebote totalitäre Züge annehmen.
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holmavic moving images
im mai 2015 fand im rahmen der extra muros der pbsa, eine seminaristische exkursion nach holmavik (island) statt. an der veranstaltung nahmen studierende der architektur und des kommunikationsdesigns unter der leitung von prof. dr. stefan asmus, prof. britta wandaogo und kurt heuvens teil.
es entstanden fachübergreifende projekte im fotografischen, filmischen und installativen kontext.
dauður hvalur talar
zwölf studierende und zwei dozenten der hochschule düsseldorf machen sich auf die reise an die grenze und mischen sich ein, konfrontieren sich mit einem anderen blick auf natur, mythen und philosophie. plötzlich läuft die zeit nicht mehr wie gewohnt, angesichts des wunders roher, fremdartiger schönheit. in diesem nirgendwo ist die bühne groß für den künstlerischen übergriff auf dokumentarische bildproduktion,
provoziert eine intensive gemeinschaftliche erfahrung von kunst, visuellem erleben und gestalterischer vision unter dem einfluss theoretischer reflexion — zwischen reißenden flüssen und stillen fjorden, modernität und mythologie, einer kosmopolitischen hauptstadt und verlassenen bauernhöfen. und abends wird es dann zum zweiten mal hell.
exkursion nach island unter der leitung von prof. dr. phil. stefan asmus und dipl. des. arne rawe im mai 2014.
36N5W
“Die Toten der Meere gehören uns Allen.
Wir wollen die Anwesenheit der Abwesenden demonstrieren und die Spuren der Flüchtlinge im Stadtbild Tarifas sichtbar machen”
Der Film 36N5W setzt sich mit der Flüchtlingsproblematik auseinander und dokumentiert eine künstlerische Intervention in Tarifa (Andalusien). 36N5W – die Spuren der Abwesenden ist von der europäischen Jury in Brüssel bei dem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Migranten in Europa“ (www.migrantsineurope.eu/de) zu den 7 Finalisten im Bereich Film ausgewählt worden. Insgesamt gab es 1500 Einreichungen und eine Beteiligung von 770 Hochschulen aus ganz Europa.
Leitung: Prof. Britta Wandaogo, Prof. Dr. Stefan Asmus und Prof. Markus Pasing.
Island Ausstellung 2013
Hundert Kilometer südlich vom Polarkreis wird es nicht dunkel und das Wasser sprudelt heiß aus den Bergen. Es gibt verborgene Leute und Vulkane, die ganz Europa lahmlegen. Das Leben in den Dörfern ist von David Lynch inszeniert und jedes Foto gerät fast zwangsweise kitschig, denn das Licht wird vom Meer permanent in tausend Teile gebrochen. Eine Exkursion in den hohen Norden Islands ist das Gegenteil von Goethes Italienreise: Reduktion statt Opulenz. Ein karger, kalter, klarer Ort, an dem das Innenleben den Raum bekommt, den es verdient. (mehr …)
CREATING SPACE
Creating Space – das ist das Lichtprojekt am Sparda-Carré in Bonn. Von 2010-2016 wurden unter der Leitung von Professor Dr. Stefan Asmus und Professor Dr. Reiner Nachtwey auf der Medienfassade des Gebäudes der Sparda-Bank West eG in Bonn Lichtkunstwerke von Studierenden des FB Design der Hochschule Düsseldorf gezeigt. Die künstlerischen Projekte sind sehr unterschiedlich, doch steht ein Thema im Mittelpunkt: die Zeit und ihr Bedeutungsspektrum für die moderne, urbane Gesellschaft.
13001 Frioul
Im September 2004 fand auf der Insel Frioul (zugehörig zur Stadt Marseille) ein einwöchiges Arbeitstreffen von 30 Künstlern/Künstlerinnen aus der ganzen Welt statt. Ziel war es, durch wechselseitige Inspiration, sowie durch Bezugnahme zur Lokalität sich in einen Schaffensprozess zu begeben, der am Ende der Woche in eine Ausstellung der Arbeitsergebnisse mündete.
Das gesamte Geschehen auf der Insel wurde von einer 16 Personen starken Gruppe Düsseldorfer Designer (Professoren und Studierende) dokumentiert. Das umfangreiche Material (12.000 Fotos, 70 Stunden Film, ca. 40 Interviews und weitere Soundfiles) wurde als interaktive Anwendung und als Buch verarbeitet.
Kommunikationsmaschine
| Die Projektgruppe FACE hat unter der Leitung von Stefan Asmus und Thomas Molck von 2002 bis 2004 die bis 2015 und in Teilen noch heute gültige Informationsarchitektur der Hochschule Düsseldorf erarbeitet. Kernstück war ein webbasiertes Containersystem für die interaktive Aufbereitung und dynamische Präsentation von Informationen (interne und externe Kommunikation) auf der Basis von Open Source.
Die Entwicklungsarbeit wurde umfangreich dokumentiert und im Artikel „Kommunikationsmaschine“ beschrieben… |









